Maria liegt auf ihrem Sterbebett, umgeben von den zwölf Aposteln. Tiefe Trauer spricht aus ihren Gesichtern. Vorn in Rot sieht uns Johannes der Evangelist an. Petrus in weißem Priestergewand spendet Maria die letzten Sakramente. Über ihnen erscheint Christus, umgeben von Engeln und in übernatürliches Licht getaucht. Die Wunden an seinen Händen weisen ihn als den Erlöser aus.
Meisterwerk
Von 2018 bis 2022 wurde van der Goes' Marientod umfassend untersucht und restauriert. Dabei wurden auch vergilbte Firnisschichten und verfärbte Übermalungen entfernt, was zu interessanten Erkenntnissen führte. So wurden oben links und unten rechts Reste eines Vorhangs freigelegt und teilweise rekonstruiert; möglicherweise war die gesamte Szene ursprünglich von einem Baldachin mit Vorhängen umrahmt. Genau lässt sich das nicht sagen, da die Ränder irgendwann abgesägt wurden, möglicherweise um das Bild in einen neuen Rahmen einzupassen. Dadurch gingen an der linken und oberen Seite einige Zentimeter verloren. Der Vorhang erzeugt die Illusion, dass sich Marias Sterbeszene unmittelbar vor den Augen des Betrachters abspielt. Das lädt dazu ein, im Geiste ebenfalls über den Holzboden zu gehen und am Bett Platz zu nehmen. Solch eine sehr persönliche Glaubenserfahrung gewann ab dem 14. Jahrhundert immer mehr an Bedeutung und rückte Mitgefühl und Mitleid mit Christus und Maria in den Mittelpunkt.