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Flämische Forschungszentrum

Herbstvorträge

Seit 2012 organisiert das Flämische Forschungszentrum für Kunst in den burgundischen Niederlanden eine Vortragsreihe. Durch die Vorträge bringen wir unserem Brügger Publikum relevante und aktuelle Forschung in Bezug auf die burgundischen Niederlande näher.

Jeder Vortrag ist gratis und findet an einem Donnerstag um 15.00 Uhr im Vriendenzaal von Musea Brugge in Dijver 12, 8000 Brügge, statt. Es ist keine Anmeldung erforderlich. Die Vorträge finden Sie auch in unserer Kalender.

Herbstvorträge 2019

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12 September 2019

ANTOINE DE LONHY, ITINERANT PAINTER OF THE 15TH CENTURY

Lecture in French, by Prof. Dr. Frederic Elsig, Université de Genève

Recently rediscovered, Antoine de Lonhy is an exemplary case of the role that connoisseurship must play in art history. Active between about 1445 and 1480, he distinguished himself by his technical versatility (illumination, painting, stained glass and patterns for embroidery and sculpture) and by his unique itinerary which can be divided into three periods. First, based in Chalon-sur-Saône, he worked for major sponsors such as Nicolas Rolin (1446) and Jean Germain (1449). Then, he settled in Toulouse from about 1454 to 1462 and made several stays in Barcelona, where he was known for his innovative style, linked to the prestige of the Duchy of Burgundy, and for his know-how as a glassmaker. Finally, he settled in Avigliana in the Duchy of Savoy, where he had a profound impact on local production. The conference will seek to trace the stylistic development of his language throughout his career.

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24 oktober 2019
FLEMISH INFLUENCES ON FRENCH PAINTING FROM THE BOURGOGNE AND THE PROVENCE

Lecture in English by Sophie Caron, Département des Peintures, Musée du Louvre

A panel representing an assumption of beautiful quality was unknown even to scholars until its recent acquisition by the Louvre: it is now the starting point of new considerations on circulations of painters and models between Northern Europe, Bourgogne and the South of France. Indeed, Flemish models were traditionally used by French painters, but at the end of the 15th century, we can observe in the production of artists such as the famous Changenet family members (active between Dijon and Avignon) a new attention towards more recent models from Hugo van der Goes and Geertgen tot Sint Jans. We will try to explain how their innovations deeply inspired those painters active between Bourgogne and Provence in terms of iconography and style.

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28 november 2019
BARTOLOMÉ BERMEJO AND THE ART OF THE LOW COUNTRIES
Lecture in English by
Prof. Dr. Nicola Jennings, Courtauld Institute, Londen

Bartolomé Bermejo (ca. 1440 – ca. 1501) is widely considered to be the most inventive and technically-skilled Spanish painter of the fifteenth century. Despite this, his work received scant recognition until the end of last year when the first monographic exhibition of his paintings opened at the Prado. Many questions about Bermejo’s artistic trajectory subsist, not least where he learnt to paint works such as the magnificent Piedad Desplà in oil like a Flemish master. In this paper I will discuss the latest findings by scholars and conservators and consider how these help us to answer some of the ‘known unknowns’ about this intriguing artist.

Herbstvorträge 2014 - 2018

2018

20. September 2018, Prof. Dr. Jelle Haemers, KUL, Over de 'verderfelijke' ambitie en de 'ridderlijke' deugden van Lodewijk van Gruuthuse, de in ongenade gevallen beschermengel van de Bourgondische dynastie. (Über die 'verhängnisvolle' Ambition und die 'ritterlichen' Tugenden von Ludwig von Brügge, dem in Ungnade gefallenen Schutzengel der burgundischen Dynastie.)

In der Blütezeit seiner politischen Karriere, der Regierung von Maria von Burgund, fungierte Ludwig von Brügge als Schutzengel der burgundischen Dynastie. Kein Ritter bekam ohne die Zustimmung des Brügger Edelmanns Zugang zu den Räumlichkeiten der Herzogin. Aber kurz danach wendete sich das Blatt. Während der Regierung von Maximilian von Österreich wurde Ludwig eingesperrt. Das Goldene Vlies warf ihm die 'verhängnisvolle Ambition' vor, die er in den vorhergehenden Jahren zur Schau gestellt hatte. In diesem Vortrag untersucht Jelle Haemers, wie es soweit kommen konnte: warum behandelte die burgundische Dynastie Ludwig als gefallenen Engel und wie wehrte sich der Edelmann? Er skizziert demzufolge ein desillusionierendes Bild von der politischen Geschichte von Brügge im fünfzehnten Jahrhundert, und setzt die bemerkenswerte Lebensgeschichte Ludwigs in den Kontext der allgemeinen Geschichte der burgundischen Niederlande.

18. Oktober 2018, Prof. Dr. Frederick Buylaert, UGent, Lodewijk van Gruuthuse en zijn sociaal milieu: tussen adel en stad in de vijftiende eeuw (Ludwig von Brügge und sein soziales Milieu: zwischen Adel und Stadt im fünfzehnten Jahrhundert)

Als bekannter Bücherfreund und als prominenter Politiker im Flämischen Bürgerkrieg der 1480er Jahre ist Ludwig von Brügge im fünfzehnten Jahrhundert zweifellos der bekannteste Edelmann in der Grafschaft Flandern. Dieser Vortrag wird nicht so sehr auf die außergewöhnliche kulturelle und politische Rolle dieses Edelmanns eingehen, sondern eher auf die Frage, wie wir uns das soziale Milieu vorstellen müssen, aus dem dieser Adelige abstammte, und inwieweit er ein typischer oder gerade atypischer Vertreter dieses Milieus war. Aus einer wirtschaftlichen und sozialen Perspektive betrachtet, wird sich zeigen, dass Ludwig von Brügge viele der großen Entwicklungen im Spätmittelalter verkörpert, indem er als prominentes Mitglied des flämischen Adels stets nachdrücklicher in einem städtischen und internationalen Kontext agiert.

22. November 2018, Inge Geysen, Musea Brugge, Gesloten wegens (on)voorziene omstandigheden. De restauratie van het Gruuthusepaleis (Wegen (un-) vorhersehbarer Umstände geschlossen. Die Restaurierung des Gruuthusepaleis)

Im September 2014 verschwand der Palast von Ludwig von Brügge - der Gruuthusepaleis - hinter Gerüsten und Bauplanen. Das Gebäude benötigte dringend eine Restaurierung. Wichtige Schwerpunkte waren Dächer, Abflussrinnen, Schreinerarbeiten und Fenster. Die prachtvolle Fassade an der Gracht wartete schon lange auf eine Reinigung. Und auch im Inneren standen einige Eingriffe auf dem Programm, unter anderem an einigen Fußböden. Aber wie es sich für eine Baustelle gehört, traten auch einige 'unvorhersehbare Umstände' ein. Einige davon erforderten einschneidende Entscheidungen.

Dieser Vortrag bietet anhand von Bildmaterial eine Übersicht der vergangenen Restaurierung. Auf einige Bestandteile, wie beispielsweise die Renovierung des Belvederes, wird ausführlicher eingegangen. Louis Delacenserie, der Stadtarchitekt, der das Gruuthusepaleis Ende des 19. Jahrhunderts restaurierte, nimmt eine wichtige Position in dem Vortrag ein.

2017

11/1/2018, Anne van Oosterwijk, Groeningemuseum und Kurator von Pieter Pourbus en de vergeten meesters, Meekijken over de schouder van de meester. Studie van (onder)tekeningen bij Brugse zestiende-eeuwse meesters. (Pieter Pourbus und die vergessenen Meister, Dem Meister bei der Arbeit über die Schulter sehen. Studie von Zeichnungen und Signaturen bei Brügger Meistern aus dem 16. Jahrhundert.)

Von Pieter Pourbus sind zahlreiche Zeichnungen erhalten, die in einigen Fällen auch mit noch bestehenden Gemälden in Verbindung gebracht werden können. Die Studie der Zeichnungen und Gemälde kann mit der Untersuchung der Signatur ergänzt werden. Durch die Verwendung der Infrarotreflektografie kann die vorbereitende Zeichnung auf der grundierten Tafel registriert und studiert werden. Für die Ausstellung ‘Pieter Pourbus und die vergessenen Meister' wurde das Oeuvre von Pieter Pourbus zum ersten Mal systematisch mit dieser Methode untersucht, was zahlreiche neue Informationen über seine Arbeitsmethoden und seine Lehrzeit ans Licht brachte. Auch Kunstwerke der Familie Claeissens wurden untersucht, und die Ergebnisse dieser Untersuchung bildeten unter anderem die Grundlage der Rekonstruktion dieser Oeuvres. Bei diesem Vortrag erläutert Anne van Oosterwijk die neuen Erkenntnisse mit umfangreichem Bildmaterial.

25/1/2018, Stephan Kemperdick, Gemäldegalerie Staatliche Museen zu Berlin, France, Flanders, Jean Fouquet (Frankreich, Flandern, Jean Fouquet)

Jean Fouquet (ca. 1420-ca. 1480) ist sicherlich der bedeutendste französische Maler im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit. Seine Werke zeichnen sind durch eine einzigartige Mischung von Elementen aus französischen Traditionen, italienischer Frührenaissance und früher niederländischer Malerei aus. Am auffallendsten sind seine italienischen Inspirationen, die Fouquet während seines Aufenthalts im Rom um ungefähr 1445 gesammelt hat. Ihnen verdankte er, dass er der erste Maler in Nordeuropa war, der klassizistische Architektur und Renaissance-Putti abgebildet und korrekte perspektivische Ansichten geschaffen hat.

Es wurde auch schon vor langem erkannt, dass die Neuheiten der flämischen Malerei der Generation von Jan van Eyck und Rogier van der Weyden Fouquet ebenfalls beeinflusst haben. Er scheint dies früh in seiner Laufbahn gelernt zu haben, bevor er nach Italien ging. Üblicherweise werden seine Werke mit jenen von Jan van Eyck verglichen. Allerdings scheint es noch viel mehr zu geben, und tiefere Verbindungen mit der Kunst von Rogier van der Weyden. In diesem Vertrag werden die verschiedenen Aspekte der Aufnahme niederländischer Malerei durch Fouquet analysiert.

8/2/2018, Hanno Wijsman, Institut de Recherche et d’Histoire des Textes (IRHT-CNRS), Paris, De boekenminende elite in laat-middeleeuws Vlaanderen: handschriften en gedrukte boeken (Die bibliophile Elite im spätmittelalterlichen Flandern: Handschriften und gedruckte Bücher)

Illustrierte Handschriften mit volkstümlichen Texten wurden im Spätmittelalter insbesondere für die adelige Elite angefertigt. In Flandern erlebte die bibliophile Mode in der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts beim Adel einen enormen Aufschwung rund um den Hof der burgundischen Herzöge. In dieser Zeit setzten sich auch mehrere Veränderungen durch: einige Mitglieder der städtischen Eliten begannen, dem Adel zu folgen und ebenfalls illustrierte Handschriften zu bestellen; darüber hinaus wurden ab dem 1470er Jahren zum ersten Mal auch illustrierte Bücher gedruckt, in denen die Illustrationen entweder vollständig mit der Hand angebracht oder als Holzschnitte gedruckt wurden (die eventuell ausgemalt werden konnten).
Dieser Vortrag wird ein reich illustriertes Bild von diesen prachtvollen bibliophilen Objekten skizzieren und den Bücherbesitz einiger - insbesondere Brügger - Besitzer im Detail erläutern.

2017

02.02.2017, Robert Jacob,
Université de Liège und Université Saint Louis Bruxelles & Centre national de la recherche scientifique, Frankreich, Images de la justice et éthique du juge en Occident (Abbildungen des Rechts und der Ethik des Richters im Westen)

2016

10.11.2016, Valérie Hayaert, Institut des Hautes Etudes sur la Justice, Paris, Transparent blindfolds of Lady Justice (Die durchsichtigen Augenbinden von Justitia)

Eine der umstrittensten Fragen über die Darstellung von Frau Justitia ist jene ihrer Augenbinde. Blindheit ist problematisch: Ist sie ein Zeichen der Behinderung oder ein Merkmal von Unparteilichkeit? Die Handlung des Verbindens der Augen von Frau Justitia ist eine paradoxe Geste und verdient als solches, detailliert analysiert zu werden. Ihre Blindheit ist das Ergebnis eines symbolischen Prozesses: die inhärente Mehrdeutigkeit der Augenbinde zeigt, dass jede erblindete Allegorie alleine gesehen mehrere Textinterpretationen zulassen kann, die sich tatsächlich in ein unterschiedliches Emblem verwandeln können, gemäß dem Willen eines aktiven, interpretierenden Betrachters, ungeachtet ob dies der Urheber einer Skulptur oder seine Betrachter ist. Die paradoxe Natur der Augenbinde ist sehr produktiv: Ist sie ein Zeichen von Blindheit? Ein Merkmal von Unparteilichkeit eine notwendige Vermeidung von Klarheit? Eine momentane Nichtbeachtung der vor den Augen befindlichen Beweise? Ein Zeichen von Ekstase? Ein beschämendes Stigma? Ein Trick? Ein Spiel? Ein Zeichen von Spott? Diese Liste von Fragen zeigt, dass viele Lesearten dieses Zeichens mit verschiedenen Betrachtern, Kontexten, Absichten verbunden werden können.

08.12.2016, Alain Wijffels, Katholieke Universiteit Leuven, Fakultät Rechtswissenschaft, Justitie en gerechtigheid: fundamenten van behoorlijk bestuur in de schilderijen van Vredeman de Vries in Gdansk. (Justiz und Gerechtigkeit: Grundlagen einer angemessenen Verwaltung in den Gemälden von Vredeman de Vries in Danzig.)

Als Hans Vredeman de Vries in den 1590er Jahren in Danzig (Gdansk) wohnte, erhielt er den Auftrag, eine Reihe von Tafeln für das neue Rathaus zu malen. Das allgemeine Thema der Reihe war das traditionelle Thema der 'guten Herrschaft'. Die sieben Tafeln (ursprünglich gab es möglicherweise auch eine achte) hängen auch heute noch im historischen Renaissancegebäude in Danzig. Jede Tafel ist eine allegorische Darstellung einer 'Tugend' der guten Herrschaft, und jedes Mal wird auch auf die verderblichen Folgen hingewiesen, die entstehen, wenn ein Herrscher diese Tugend nicht erfüllt. Der vollständige Zyklus von sieben Darstellung folgt auch einer allgemeinen Struktur, denn die Reihe beginnt mit dem Thema der menschlichen Justiz, und endet mit einem Letzten Urteil, der göttlichen Justiz. Zwischen diesen zwei Tafeln werden alternative Tugenden dargestellt, die einmal eher religiös und ein anderes Mal eher weltlich inspiriert sind. Jede Gemälde aus dieser Reihe ist komplex ausgearbeitet, mit den für Vredeman de Vries typischen überschwänglichen architektonischen Bauelementen, aber auch zahlreichen Figuren: Figuren aus der Antike, aus der Bibel, und allegorische Figuren, die die mittelalterliche Vorstellung der guten Herrschaft fortsetzen und erneuern.

22.12.2016, Vanessa Paumen, Flämische Forschungszentrum für Kunst in den burgundischen Niederlanden, Kurator “De kunst van het recht”, Van villing tot vel op de stoel. De straf van Cambyses in beeld (“Die Kunst des Rechts”, Oder wie eine Häutung einen Gerichtssaal zierte. Die Strafe von Cambyses im Bild)

Im sechzehnten und siebzehnten Jahrhundert wurde die Geschichte des strengen König Cambyses und des korrupten Richters Sisamnes als Exemplum sehr populär. Wenn man die vielen Darstellungen aus dieser Zeit mit den Tafeln von Gerard David vergleicht, zeigt sich deutlich, dass der Brügger Maler die Geschichte auf absolut einzigartige Weise dargestellt hat. In den späteren Darstellungen wird vor allem Sisamnes Sohn Otanes Aufmerksamkeit gewidmet, während die Bestrafung auf eine kleine Hintergrundszene reduziert oder selbst ganz weggelassen wird. Auch die Bestechung und Verhaftung werden nur selten dargestellt; die abgezogene Haut des Vaters bekommt dahingegen in diesen Werken eine prominente Rolle. Dieser Vortrag geht auf einige Werke in der Ausstellung mit dem bekannten Thema ein, das bereits im 15. Jahrhundert von Gerard David für die Brügger Schöffen gemalt wurde.

2015

08.10.2015, Till-Holger Borchert, Musea Brugge, De herontdekking van de Vlaamse primitieven en het ontstaan van de kunstmusea (Die Wiederentdeckung der Flämischen Primitiven und die Entstehung der Kunstmuseen).

Die Wiederentdeckung der Flämischen Primitiven zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist unlösbar mit der Ausstellung der Malerei des 15. Jahrhunderts in den Museen verbunden. Dieser Vortrag beleuchtet die historische Entwicklung der Sammlung in Bezug auf die Flämischen Primitiven und geht anschließend ausführlich auf die Rolle der Sammler und Museumskuratoren ein. Ihre Motivation und ihre Ideen werden in einem breiteren politischen und kulturhistorischen Kontext situiert.

26.11.2015, Stefan Huygebaert, UGent Institute for Legal History, Een evidente keuze? De middeleeuwen en haar primitieven als thematiek van de Brugse romantische schilderkunst (Eine logische Wahl? Das Mittelalter und seine Primitiven als Thematik der romantischen Brügger Malerei)

Die belgische romantische Malerei wurde ungefähr 1830 durch eine thematische Bevorzugung der nationalen Vergangenheit gekennzeichnet, nicht im Geringsten für die Helden der nationalen Kunstgeschichte. Viele dieser ‘mythischen Primitiven’, wie beispielsweise van Eyck, Memling und David, waren in Brügge tätig, und die Brügger Akademie für Schöne Künste bewahrte einige ihrer wichtigsten Tafelgemälde. Darüber hinaus war Brügge die Stadt, in der die architektonische Neugotik nicht nur ihre erste, sondern auch ihre umfangreichste Wirkung entfaltete.

In dem Vortrag steht die Frage im Mittelpunkt, wie und in welchem Ausmaß die führenden romantischen Brügger Maler und ihre Akademie dem lokalen Mittelalter und seinen Primitiven einen Platz in ihren Werken und ihrem Denken gaben.

17.12.2015 (abgesagt), Jenny Graham, Universität van Plymouth (VK), Mytische Primitieven: De verbeelding van het verleden in het 19de-eeuwse Brugge (Mythische Primitive: Die Fantasie der Vergangenheit im Brügge des 19. Jahrhunderts)

Brügge und Flandern spielten eine bedeutende Rolle beim erneuten Aufschwung der Gotik, der sich im 19. Jahrhundert in Europa vollzog. Französische Maler, wie beispielsweise Courbet, Toulouse-Lautrec und Gauguin und die britischen Präraffaeliten Dante Gabriel Rossetti, William Morris und Edward Burne-Jones unternahmen eine Wallfahrt nach Brügge, um die Gemälde von Jan van Eyck und Hans Memling vor Ort zu betrachten. Durch den neuen Kunsttourismus hatten die Werke großen Ruhm erworben. In der Region entstand eine neue flämische Bewegung in der Kunst und Literatur, die auf die goldene Ära des fünfzehnten Jahrhunderts zurückblickte. In Wort und Bild wurde die Blütezeit von van Eyck und Memling in Brügge im nostalgischen Fin de Siècle neu erlebt. In diesem Vortrag wird Kunsthistorikerin Jenny Graham (Autorin von Inventing van Eyck: The Remaking of an Artist for the Modern Age, Oxford und New York, 2007)) auf die Kulturgeschichte der Beziehung von Brügge mit ihrer eigenen Vergangenheit eingehen, während die Stadt ihren Eintritt in die moderne Zeit machte.

2014

13. November 2014, Dr. Bart Fransen, Studienzentrum Flämische Primitive, KIK/IRPA, Skulpturentwurf im Atelier von Rogier van der Weyden.

Dieser Vortrag behandelt das Verhältnis zwischen der Skulptur des 15. Jahrhunderts und der innovativen Bildsprache von Rogier van der Weyden (1399/1400 – 1464). Obwohl bereits viel über dieses Thema publiziert wurde, fällt auf, dass diese Beziehung hauptsächlich mit Beispielen von Skulpturen aus der Zeit nach dem Tod des Meisters illustriert wird, also lediglich vom sogenannten Einfluss der Malerei van der Weydens auf die spätere Skulptur zeugend. Bis jetzt wurde dem direkten und aktiven Beitrag von van der Weyden auf die Skulptur seiner Zeit nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Dokumente, die seine Tätigkeit als Entwerfer von Skulpturen bestätigen, sind selten, aber mehrere seiner Atelierzeichnungen bestätigen jedoch, dass dies ein wesentlicher Bestandteil seiner Karriere war. Da die Mehrheit dieser Zeichnungen von Malereiexperten studiert wurde, wurde der Beziehung zu Bildhauerwerken nur wenig Aufmerksamkeit gewidmet. Bei dieser Lesung werden verschiedene Zeichnungen mit bestehenden Skulpturen in Verbindung gebracht, für die die Entwürfe spezifisch angefertigt worden zu sein scheinen. Ein neuer Blick auf dieses Material - aus skulpturaler Perspektive, bringt neue Erkenntnisse im Hinblick auf die Arbeitsmethoden im Atelier von van der Weyden und den Austausch zwischen Malern und Bildhauern.

20. November 2014, Dr. Léon Lock, KULeuven/Musée François Duesberg, Mons,

Paragone? Relaties tussen beeldhouwkunst en schilderkunst in de Zuidelijke Nederlanden van Jan van Eyck tot Rubens. (Paragone? Beziehungen zwischen Bildhauerei und Malerei in den Südlichen Niederlanden von Jan van Eyck bis Rubens.)

Der “paragone” oder auf Italienisch „Vergleich“ ist ein Konzept, das eingeführt wurde, um die relativen Qualitäten von Malerei und Bildhauerei miteinander zu vergleichen, als Maler und Bildhauer in der Zeit von Leonardo und Michelangelo miteinander wetteiferten.

Dieses Konzept wird manchmal auch in den Niederlanden besprochen, aber selten wirklich angewendet, da sich unsere Kunstgeschichte hauptsächlich mit Malerei beschäftigt hat, z. B. mit den Flämischen Primitiven oder mit Rubens und seinen Zeitgenossen. Ist dies akzeptabel? Die Absicht dieses Vortrags ist es, die vielfachen Beziehungen zwischen Bildhauerei und Malerei in der frühmodernen Zeit in einen Kontext zu setzen und auf Fragen bezüglich Zusammenarbeit, 2D im Vgl. zu 3D, Materialnutzung, Machtbeziehungen innerhalb und zwischen den Gilden und Image dieser zwei Berufe einzugehen.

4. Dezember 2014, Dr. Kim Woods, The Open University, UK, Alabaster sculpture in the Burgundian and Habsburg Netherlands (Alabasterskulptur in den burgundischen und habsburgischen Niederlanden) ca. 1400 – 1530.

Der berühmte Leichenzug vom Grab von Philipp dem Kühnen in der Chartreuse de Champmol ist zweifellos die bekannteste Alabasterskulptur im Zusammenhang mit den burgundischen Niederlanden. Aber was geschah danach mit der Alabasterskulptur? Dieser Vortrag beschäftigt sich mit der Stellung von Alabaster in den skulpturalen Traditionen der Bildhauer der Niederlande, die sowohl zuhause als auch im Ausland tätig sind, z. B. im spanischen Kastilien.

11. Dezember 2014, Prof. Dr. Aleksandra Lipińska, Technische Universität Berlin, Moving Sculptures: Southern Netherlandish alabasters from the 16th to the 17th centuries in Central and Northern Europe. (Bewegende Skulpturen: Alabaster aus den Südlichen Niederlanden aus dem 16. bis 17. Jahrhundert in Mittel- und Nordeuropa.)

Dieser Vortrag präsentiert ein wenig bekanntes Kapitel der Geschichte der niederländischen Bildhauerei: die Serienproduktion von Alabasterreliefs, Altarbildern und Statuen in den Ateliers von Mechelen und Antwerpen zwischen 1525 und 1650. Erstens bietet er einen Einblick in die Regeln dieses Handwerks, die Besonderheiten des Materials und die Marketingmethoden, die von den Werkstätten der südniederländischen Alabasterschnitzer eingesetzt wurden. Zweitens wird das Phänomen aus der Perspektive der weit entfernten Empfänger niederländischer Alabasterwerke in Mittel-, Ost- und Nordeuropa besprochen, und zwar auf der Basis von Werken, die der breiteren Öffentlichkeit größtenteils unbekannt waren, wie beispielsweise das von Julius II, Kurfürst von Brandenburg in Auftrag gegebene Altarbild oder Grabinschriften von Bürgern in Berlin, Danzig oder Breslau.

2013

17/10/2013, Truus van Bueren, Universiteit van Utrecht, Memorievoorstellingen en hun plaats in de middeleeuwse dodengedachtenis. (Gedenkdarstellungen und ihre Stellung im mittelalterlichen Totengedenken.)

Gedenkdarstellungen sind Gemälde und Statuen (-Gruppen) mit einer religiösen Darstellung, den Gebetsporträts und/oder den Wappenschildern der zu gedenkenden Person, ihren Schutzheiligen und einem Text mit ihrem Namen, dem Sterbedatum und einem Aufruf zum Gebet für ihr Seelenheil. Diese Kunstwerke befanden sich vor allem in Kirchen.

Es waren sehr taugliche Kommunikationsmittel, unter anderem weil die Komposition der Darstellung feste Muster aufwies. Sie waren in erster Linie bestimmt, um ein Gebet für das Seelenheil der im Kunstwerk porträtierten und genannten Personen zu erflehen. Darüber hinaus konnte man über die Darstellungen und die dazugehörigen Texte soziale, religionspolitische und politisch-soziale Fragen zur Sprache bringen.

Aber konnten die Auftraggeber in aller Freiheit bestimmen, welche Botschaften sie mit ihrer Gedenkdarstellung verbreiten wollten? Oder hatten auch andere Parteien, wie beispielsweise der Klerus und die Kirchenvorsteher der Kirche, in der das Kunstwerk aufgestellt wurde, oder beispielsweise die Stadtverwaltung ein Mitspracherecht im Hinblick auf diese Art von Schenkungen?

7/11/2013, Douglas Brine, Trinity University, San Antonio, Texas (USA), Reflection and remembrance in Jan van Eyck’s Van der Paele virgin. (Besinnung und Gedenken in Jan van Eyck’ Van der Paele-Madonna.)

Erst in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts widmete man der kleinen Figur, die im Schild des Heiligen Georg auf Jan van Eycks Gemälde Madonna und Kind mit Kanonikus Joris van der Paele reflektiert wird, wissenschaftliche Aufmerksamkeit. Seit diesem Zeitpunkt wurde die Abbildung als Selbstporträt von van Eyck betrachtet und häufig in Diskussionen über seine auktoriale Präsenz zitiert. Der Vortrag überdenkt die Funktion und Bedeutung der Reflexion in Bezug auf die originale Kulisse des Gemäldes - das Mittelschiff der Sint-Donatuskirche in Brügge in der Nähe des Grabs von Georg van der Paele und des Alters, an dem er Massen für seine Seele stiftete. Das Verhältnis zwischen der Reflexion und ihrer Betrachter wird besprochen, ebenso wie die Rolle der Reflexion im Kontext des Gedenkens.

21/11/2013, Ronald van Belle, Universiteit Gent, Koperen grafplaten, ontwerpers en de schilderkunst. (Kupfergrabplatten, Entwerfer und die Malerei.)

Die Grabplatten und Grabsteine aus unserer Region sind aufgrund ihres hohen künstlerischen Niveaus und ihrer Verarbeitung berühmt. Wissen wir etwas über ihre Entwerfer? Ab dem Ende des 14. Jahrhunderts stellt man auch hier einen Ansatz zum Prä-Eyckianischen Realismus fest. Im fünfzehnten Jahrhundert wird das Design deutlich von der flämischen Malerschule beeinflusst. Einige Gedenkbilder aus Kupfer weisen Ähnlichkeiten mit gemalten Tafeln mit Spendern auf. Gab es eine Wechselwirkung? Einige Grabplatten zeigen eine Verwandtschaft mit dem Werk von Gerard David, Pieter Pourbus, Adriaan Isenbrand, Jan Gosaert etc. Gibt es dokumentarische Beweise, dass Maler bei ihrem Entwurf beteiligt waren? Flämische Grabplatten aus Kupfer wurden in den gesamten Westen exportiert. Von einigen im Ausland erhaltenen Grabplatten fragt man sich, in welcher Stadt sie angefertigt wurden: Doornik, Antwerpen, Brüssel, Brügge, Gent, Mechelen? Kann die Malerei uns helfen, Grabplatten einem Atelier einer bestimmten Stadt zuzuschreiben? Viele Fragen, aber doch auch einige Antworten.

5/12/2013, Johanna Scheel, Universität Frankfurt, The donor portrait in early Netherlandish painting. Emotional strategies of seeing and self-knowledge. (Das Spenderporträt in der frühen niederländischen Malerei. Emotionale Strategien des Sehens und der Selbstkenntnis.)

Die frühniederländische Malerei erfand das Spenderporträt erneut. Spendern wurde eine neue Position, Bedeutung und Stellung in der Abbildung verliehen; sie treten jetzt hervor und nehmen ihren Platz als Protagonisten in der Komposition ein. Sie gleichen dem heiligen Personal - in allem, außer ihrem Gesichtsausdruck.

Dies schafft ein seltsames Paradox, das selten besprochen wurde: Einerseits stellt die Darstellung von Emotionen in religiösen Gemälden einen wichtigen Faktor in der empathischen Aufnahme des Bildes durch den Betrachter während des Gebetes und der Andacht dar. Doch hier scheint der Spender - der ein perfektes Rollenmodell sein könnte - diese Identifikation mit dem Betrachter aufgrund seines emotionslosen Ausdrucks zu verneinen. Dieser Vortrag untersucht dieses Paradox und stellt die Frage, ob es eine bestimmte Funktion des Spenderporträts für den betenden Betrachter im Kontext der religiösen Malerei gibt.

2012

15.11.2012, Jacques Paviot, Université Paris-Est Créteil Val de Marne, Les Portugais à Bruges et Anvers aux 15ème et 16ème siècles. (Die Portugiesen in Brügge und Antwerpen im 15. und 16. Jahrhundert.)

Obwohl zahlenmäßig nicht besonders stark, spielen die Portugiesen in Brügge und später in Antwerpen eine nicht zu unterschätzende Rolle. In der portugiesischen Gemeinschaft können drei Gruppen unterschieden werden: die Kaufleute, die Vertreter des portugiesischen Königs und die Höflinge.

Diese drei Gruppen sind im 15. Jahrhundert in Brügge präsent und die beiden Erstgenannten in Antwerpen im 16. und 17. Jahrhundert. Jede von ihnen bestellt oder kauft Kunstwerke oder Kunstgegenstände. Dieser Vortrag behandelt verschiedene Figuren: Herzogin Isabella von Portugal (1397-1471) und ihre Entourage, die Mitglieder der portugiesischen Handelsvertretung - worunter der Humanist Damião de Góis (1502-1574) - und die schwerer zu trassierende Gruppe der Kaufleute, von denen einige Namen - wie beispielsweise Martin Lem - über die erhaltenen Kunstwerke überliefert wurden.

6.12.2012, Federica Veratelli, (seinerzeit verbunden mit der) Université Paris-est Créteil Val de Marne, Questions familiales. Profils non édités de donneurs d’ordre italiens à Bruges. (1477 – 1530) (Familienangelegenheiten. Unveröffentlichte Profile von italienischen Auftraggebern in Brügge. (1477 – 1530))

In den Archiven von Lille befinden sich zahlreiche Dokumente über die Anwesenheit von Italienern in den Habsburger Hofkreisen nach dem Tod von Karl dem Kühnen im Jahr 1477. Die Entdeckung dieser Dokumente bietet die Möglichkeit, bis dahin unbekannte Profile italienischer Kaufleute in Brügge am Ende des 15. Jahrhunderts und zu Beginn des 16. Jahrhunderts zu zeichnen. Es handelt sich um einen neuen Typ des Geschäftsmannes, der vor allem aus Florenz stammte: es sind Bankiers und Lieferanten von Luxusprodukten für den Hof. Häufig treten sie als Auftraggeber flämischer Kunstwerke auf. Folco und Benedetto, die Neffen von Tommaso Portinari, werden von Hans Memling gemalt und Bandini Baroncelli von einem anonymen flämischen Meister. Gaspare Bonciani ist der Auftraggeber für Gerard David. Girolamo Frescobaldi und seine Kinder sammeln in Brügge einige Gemälde, die von einem nördlichen Geschmack zeugen und die das Interesse von Margaretha von Österreich wecken. In dem Vortrag wird auf Basis verschiedener und meistens unveröffentlichten Quellen auf einige dieser wenig bekannten Figuren eingegangen.

13.12.2012, Marc Gil, Université de Lille 3, Les femmes dans les métiers d’art des Pays-Bas bourguignons (15ème siècle - début 16ème siècle) (Der Platz von Frauen im Kunstgewerbe in den burgundischen Niederlanden (15. – Anfang 16. Jahrhundert))

Aktuelle Studien weisen nach, dass Frauen in gesamten Mittelalter an wirtschaftlichen Aktivitäten teilnahmen. Dennoch wird ihre Rolle im Kunstschaffen im Allgemeinen von Kunsthistorikern vernachlässigt. Die Quellenforschung zeigt jedoch deutlich, dass Frauen bei jedem Schritt des kreativen Prozesses präsent waren. Die Analyse der Reglemente der Sint-Lukasgilde von 14 Städten (in Nordfrankreich, Flandern, Hennegau und Brabant) und der Eintragungsverzeichnisse der Brügger Gilde des Buchgewerbes ermöglicht einen Einblick auf die Tätigkeit von Frauen im Kunstgewerbe. Sie tauchen als Meister - nach dem Ablegen der Meisterprüfung - an der Leitung eines Ateliers auf, neben ihrem Mann oder selbstständig (als Junggesellin oder Witwe) und als Gesellin, die Jungen und Mädchen ausbildet, und zwar nicht nur in sogenannten weiblichen Handwerken. Sie sind auch die ersten Opfer von Wirtschaftskrisen.